Pucken: Ja oder Nein?

PuckenEs gibt wenige Themen, die von Experten und jungen Eltern so hitzig debattiert werden, wie das Pucken. Bei dieser uralten Methode wird das Baby bis zum Hals eng in ein Tuch gewickelt, damit die Bewegungsfreiheit insbesondere der Arme eingeschränkt wird. Während sich viele Hebammen dafür aussprechen, warnen Kinderärzte vor möglichen Gesundheitsschäden. Entsprechend wird über den Sinn oder Unsinn des Puckens in Internetforen und Facebook-Gruppen gestritten. Wer hat nun Recht?

Das soll Pucken bewirken

Befürworter des Puckens argumentieren mit dem Gefühl der Geborgenheit, die dem Säugling durch die begrenzte Umgebung vermittelt wird. Im Bauch der Mutter war auch kein Platz, folglich sind Neugeborene die Enge gewohnt und fühlen sich darin sicher und gut aufgehoben. Außerdem ist es in dem Puck schön warm, was das Baby beruhigt und Blähungen verhindern kann.

Ein zweites Argument für das Pucken ist der sogenannte Moro-Reflex. Das sind unkontrollierte Zuckungen im Schlaf, die vor allem in den ersten Lebensmonaten auftreten können und das Baby immer wieder aufwecken. Schreikinder leiden oft an diesem Reflex. Durch das enge Einwickeln kann sich das Baby nicht so stark bewegen und kommt besser zur Ruhe, schildern Hebammen ihre Erfahrungen. Einen kleinen Guide wies geht von Aden&Anais, gibts hier:

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Die angeblichen Gefahren des Puckens

Wird das Baby zu eng und falsch eingewickelt, drohen Schäden an der Hüfte und Probleme mit der motorischen Entwicklung, warnen viele Kinderärzte. Babys liegen in den ersten Monaten in der Anhock-Spreiz-Haltung, also mit angezogenen, leicht gespreizten Beinen. Werden sie zu eng gewickelt, ist dieses Haltung nicht möglich und es kann zu Fehlstellungen der Hüfte kommen (übrigens auch ein Problem bei schlechten Babytragen oder falsch gewickelten Tragetüchern Link).

Zudem warnen Kritiker vor einem möglichen Hitzschlag im Puck, weil die Luft nicht zirkulieren kann.

Pucken light

Pucken ist nicht gleich Pucken. Während im 19. Jahrhundert die Babys noch richtig eng und vor allem gestreckt gewickelt wurden, gibt es heute zum Beispiel Pucksäcke, die einfach anzulegen sind und die nötige Beinfreiheit gewährleisten. Das Material ist zudem so gewählt, dass sich die Wärme nicht stauen kann. Gepuckte Kinder sollten ohnehin in einem eher kühlen Zimmer schlafen.

Individuelle Entscheidung

Wie so oft zählen auch hier am Ende Vernunft und gesunder Menschenverstand. Zwischen Pucken „auf Teufel komm raus“ und „bloß nicht“ gibt es noch Pucken „bei Bedarf“. Manche Babys tun sich tatsächlich leichter mit dem Einschlafen, wenn sie nicht herumzappeln können. Andere werden im Puck hysterisch. Ganz wichtig ist, den Puck mit Hilfe der Hebamme oder einem Kinderarzt richtig anzulegen oder gleich einen Pucksack zu benutzen. Nach etwa fünf Wochen lassen die Einschlafprobleme wegen des Moro-Reflexes in der Regel nach und dann sollte auch der Puck wieder ausrangiert werden.

Fotos: Produnis via Wikipedia & eigenes Foto

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