Mitgebsel bei Kindergeburtstagen – Nette Geste oder zu viel des Guten?

Wenn eure Kinder schon mal bei einer Geburtstagsfeier eingeladen waren kennt ihr das sicher: die Kids kommen reich beschenkt nach Hause. Nicht etwa, weil sie selbst Geburtstag hatten, sondern weil die Gäste sogenannte Mitgebsel bekommen, mal mehr, mal weniger üppig geartet. In den letzten Jahren hat sich dieses Phänomen derart etabliert, dass ein Kindergeburtstag ohne Geschenktüte für die kleinen Gäste praktisch undenkbar geworden ist. Nette Geste oder zu viel des Guten?

Als mein damals vierjähriger Sohn begann, den Erfolg einer Geburtstagsfeier nach der Größe des Mitgebsels zu beurteilen, war ich gelinde gesagt etwas konsterniert angesichts dieses neuen Brauches. Teilweise waren die Mitgebsel teurer und größer, als die Geschenke, welche die Gäste dem Geburtstagskind mitgebracht hatten. Zu meiner Kinderzeit sahnte man vielleicht mal ein Tütchen Gummibärchen für den Heimweg ab. Außerdem hatte man ja beim Topfschlagen schon diverse Lutscher und Schokoriegel ergattert. Und wir waren total glücklich damit!

Schoko
Ach, früher! Die beim Topfschlagen ergatterte Schoki war mein größter Triumph…

Damals war ich als Autorin für die Online-Ausgabe einer großen Elternzeitschrift tätig und als solche schrieb ich eine Glosse über das Phänomen. Dabei stellte ich die Frage in den Raum, ob es wirklich nötig sei, 1. die Kinder mit noch mehr Süßigkeiten vollzustopfen und 2. einen Konkurrenzkampf unter dem Motto Wer-vergibt-die-größten-Tüten zu eröffnen. Wenn es damals das Wort Shitstorm schon geben hätte, so wären die Reaktionen dem ziemlich nahe gekommen. „Rabenmutter“ war noch eine der netteren Bezeichnungen, ich sei „herzlos“ und würde den Kindern ja „gar nichts gönnen“. Gut. Lektion gelernt. Ohne Mitgebsel geht es offenbar nicht mehr, zumindest, wenn man sich nicht den Unmut aller Mitmütter zuziehen will.

mitgebsel
Dann gings los… Mitgebsel. Je mehr, desto besser.

Bleibt aber die Frage, ob der Inhalt der Tüten immer gleich ein Milchzahn-Killer sein muss. Und muss man mit teuren Giveaways wie einem Legobagger oder einer Eiskönigin-Tasse weniger betuchte Eltern und deren Kinder wirklich in unangenehme Situationen bringen?

Natürlich hat sich der Markt sofort dankbar auf den Brauch der Mitgebsel gestürzt. Es gibt zig Angebote vom billigen Einzelteil bis hin zum aufwändigen Set in extra schönen Tütchen. Das Gute daran ist, dass hier alle etwas finden – auch Eltern, die das Ganze eher bescheiden angehen wollen. Eine große Auswahl bietet etwa Firlefantastisch oder auch der von uns bereits vorgestellte Shop Tambini.

Wie könnte so ein einigermaßen sinnvolles Mitgebsel also aussehen?

Kindertattoos
Beliebt: Klebetattoos

Gut sind Dinge, die verbraucht und nicht zu Staubfängern im Kinderzimmer werden, lustige Stifte und Radiergummis z.B., bunter Kinderbadeschaum oder Kinder-Tattoos, Ausmalbüchlein oder witzige Haargummis. Besonders schön sind natürlich selbstgemachte Sachen. Wie wäre es z.B., mit der ganzen Geburtstagsgesellschaft bunte Perlenarmbänder oder – für die Älteren – coole Lederarmbänder zu basteln, die dann natürlich mitgenommen werden dürfen?

Oder ihr bemalt einfache Stoffbeutel. Die kosten nicht viel und die Kids sind superstolz auf ihre ganz persönliche Tasche. Vielen Kindern macht es auch Spaß zu kochen. Warum also nicht gemeinsam was ganz einfaches wie Schokocrossies (Cornflakes in geschmolzene Schokolade werfen und mit dem Löffel kleine Haufen formen) zaubern? Die kommen dann in kleine Zellophantüten, schönes Bändchen z.B. aus Stoffresten drumrum und fertig ist das Geschenk. Auch nicht teuer sind Holzkochlöffel, die ihr gemeinsam bemalt. Für jeden kleinen Koch seine Trophäe.

Mit ein bisschen Phantasie könnt ihr dem Süßigkeiten- und Konsumwahn in Sachen Mitgebsel gekonnt ein Schnippchen schlagen, und das ganz ohne eine herzlose Rabenmutter zu sein. Viel Spaß dabei!

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