Alles zum Thema Aufklärung

Biene
Die Geschichte von Bienchen & Blümchen? 2015 vielleicht keine so gute Idee mehr!

Die Geschichte von den Blümchen und den Bienchen … manchmal wünschen sich Eltern, dass Aufklärung so einfach sei. Das Gespräch mit den eigenen Kindern über Sexualität ist für viele nicht ganz unproblematisch. Wann sage ich was und vor allem wie? Übernimmt das nicht die Schule? Unsere Kids wissen im Zeitalter des Internets doch ohnehin schon über alles bestens Bescheid?

Nicht ganz. Um ein gesundes Verhältnis zu ihrer Sexualität aufbauen zu können, brauchen Kinder die Unterstützung ihrer Eltern. So einfach wie mit den Bienchen ist es zwar nicht, aber auch nicht sehr viel schwieriger. Wir haben für euch ein paar hilfreiche Ratschläge von Experten zusammengestellt.

Aufklärung als Teil der Erziehung

Bei dem Wort Aufklärung stellen sich viele noch dieses eine Gespräch vor, indem in ziemlich peinlicher Stimmung und deswegen so knapp wie möglich Geschlechtsverkehr und die Zeugung eines Babys erklärt werden. So bitte nicht! Nach Ansicht von Sozialpsychologen und Beratungsstellen wie profamilia sollte Aufklärung ein Prozess sein, der nebenbei statt findet und sich an dem Entwicklungsstand und der Neugier des Kindes orientiert. Wichtig ist, Sexualität nicht als einen rein technischen Vorgang darzustellen, sondern mit Emotionen und Einstellungen zu verbinden. Nur so können Kinder ihre eigenen sexuellen Gefühle einordnen und lernen, dass sie selbst bei Unbehagen auch Grenzen setzen können, indem sie Nein sagen.

So früh wie möglich

Es mag für manche Eltern befremdlich erscheinen, aber sexuelle Aufklärung beginnt schon im Kleinkindalter, von Experten auch Körpererziehung genannt. Was so trocken klingt ist nichts anderes, als dem Baby Geborgenheit und Sicherheit zu schenken. Das geschieht in diesem Alter vor allem durch Körperkontakt. Berührung, ein liebevoller Blick, Trost, Vertrauen – all das legt die Basis für eine gesunde Entwicklung und das Wissen, mit all seinen Empfindungen respektiert zu werden.

Früher oder später stellen Kinder die ersten, völlig unbefangenen Fragen und genauso unbefangen könnt ihr ihnen darauf antworten. Ob das beim gemeinsamen Essen am Tisch ist oder mal eben zwischen Tür und Angel. Wichtig ist nur, dass die Antwort in altersgerechte Worte und möglichst kurz gefasst wird. Ist keine Antwort parat, solltet ihr dazu stehen und nicht ausweichen. Das hinterlässt sonst nur das Gefühl, möglicherweise etwas falsch gemacht zu haben.

Dem Alter entsprechend

Natürlich lässt sich der Entwicklungsstand von Kindern nicht haarscharf in Altersgruppen unterteilen, sie sollen hier nur als Anhaltspunkte dienen. Fakt ist allerdings, dass Kinder immer früher geschlechtsreif werden und die Aufklärung oft hinterherhinkt. Die folgenden Informationen helfen euch, entsprechende Anzeichen zu deuten und darauf zu reagieren.

  •  0-3 Jahre

In den ersten Monaten und Jahren eines Kindes geht es vorrangig darum, ihm durch liebevolle Zuwendung und Zärtlichkeit ein positives Körpergefühl zu vermitteln – das passiert ohnehin ganz von selbst. Beim Baden und Wickeln werden aus Spaß diverse Körperteile benannt (wo sind denn die Füßchen, das sind die Händchen ….), nur die Geschlechtsteile bleiben oft Tabu. Warum?

Für Kinder sind Begriffe wie Penis, Scheide, Schniedel oder Muschi genauso wertfrei wie Fuß oder Hand. Und genauso selbstverständlich. Werden diese Körperteile in der Aufzählung ausgespart, erhalten sie eine falsche, „verklemmte“ Bedeutung.

  • 3-6 Jahre
Doktorspiel
Doktorspiele: Kein Grund zur Panik!

Fangen die Kinder an zu sprechen, kommen unweigerlich eine Million Fragen, gespeist aus gesunder Neugier an ihrer Umgebung. „Mama, was ist das?“ und hält ein OB hoch, „Warum hat Papa keinen Busen?“, „Warum schlaft ihr zusammen in einem Bett und ich nicht?“, „Wie kommt mein Bruder in deinen Bauch? Und wie wieder raus?“ … Die Kinder sollten mit ihren – oft absurden oder lustigen – Fragen immer ernst genommen werden und eine sachliche, altersgerechte Antwort erhalten. Ist der Moment unpassend (Kinder fragen so was gerne mal in der U-Bahn oder in der Schlange an der Supermarktkasse, weil ihnen da langweilig ist …), bittet darum, ein bisschen zu warten, bis der Zeitpunkt günstiger ist. Macht aber diese Ankündigung auch unbedingt wahr. Wenn ihr dann erklärt, wie das Brüderchen (und der Fragesteller selbst auch!) in den Bauch gekommen ist, verbindet es mit positiven Gefühlen. Mama und Papa haben sich sehr lieb … es war ein ganz tolles Erlebnis, dich in meinem Bauch strampeln zu fühlen …

Das Wichtigste in dieser Phase ist, dass die Kinder keine Scheu davor bekommen, Fragen zu stellen. Auch Doktorspielen, die fast alle Kinder irgendwann für sich entdecken, sollte ohne unnötige Aufregung begegnet werden. Sie dienen lediglich der Erkundung des Körpers und werden früher oder später langweilig.

  • 6-9 Jahre

Mit Beginn der Schule verlieren Eltern zunehmend an Einfluss auf die Informationsflut, die auf ihre Kinder zukommt. Geschlechtsteile, Sex, Kinder zeugen – all das wird von Grundschülern bereits thematisiert und oft mit den wildesten Theorien garniert. Wenn eure Kinder bereits über die Fakten aufgeklärt sind und die Dinge im wahrsten Sinne des Wortes beim Namen nennen können, kommt es gar nicht erst zu Verunsicherungen oder gar Ängsten.

Spätestens jetzt (am besten noch vor der Einschulung) heißt es also, die Kids über Geschlechtsverkehr und dessen Folgen aufzuklären. Der Einstieg ist leichter, wenn ihr erst mal fragt, was sie denn selbst schon darüber wissen. Und bitte niemals über die manchmal abstrusen Ideen lachen!

  • 9-12 Jahre

Langsam aber offensichtlich beginnt jetzt die körperliche Veränderung der Jungs und Mädchen. Die ersten Scham- und Achselhaare sprießen, Pickel sorgen für Krisen, der Busen wächst, die erste Menstruation kann bereits einsetzen. In diesem Alter fragen die Kids ihre Eltern nicht mehr so unbefangen und informieren sich lieber bei Freunden. Jugendzeitschriften wie BRAVO oder Mädchen liegen plötzlich in den Kinderzimmern rum und beantworten heute wie damals die immer wiederkehrenden Fragen pubertierender Jugendlicher.

Viele Kinder sind in diesem Alter bereits voll zeugungsfähig, aber mit ihrer sonstigen Entwicklung und möglicherweise mit ihren Kenntnissen noch weit hinterher. Empfängnisverhütung ist jetzt das Thema. Stellt sicher, dass eure Teenies darüber Bescheid wissen. Auch die Existenz gleichgeschlechtlicher Liebe sollte erwähnt werden, ohne sie zu diskreditieren. Bücher und Websites, die wir euch ganz unten vorstellen, können in dieser Phase hilfreich sein.

  • 12-17 Jahre
Kondom
Deutliche Infos zu Verhütungsmitteln und unverkrampfter Umgang mit dem Thema Empfängnisverhütung ist ein Muss.

Das „erste Mal“ rückt näher und die Kinder immer weiter weg. Trotzdem können Eltern signalisieren, dass sie jederzeit gesprächsbereit sind. Oft genug kommen die Teenies mit ihren Sorgen und Nöten dann doch zu Mama und Papa. Ein Besuch beim Frauenarzt bzw. Urologen kann hilfreich sein, um die Kinder hinsichtlich ihrer Entwicklung zu beruhigen. Die Pille als Verhütungsmittel sollte thematisiert werden, genauso wie mögliche Geschlechtskrankheiten und AIDS. In diese Zeit fällt häufig auch die Erkenntnis über die eigene sexuelle Ausrichtung. Idealerweise ist die Vertrauensbasis so groß, dass offen über Homosexualität gesprochen werden kann. Alles andere macht das Kind nur zutiefst unglücklich.

Auf dem Weg der körperlichen Entwicklung ist dies der Endspurt. Die Jugendlichen sollten spüren, dass sie in ihren Eltern immer Verbündete haben, denen sie im Ernstfall vertrauen können. Und das geht nur, wenn schon im Vorfeld offen über Sexualität (und ihre Folgen!) gesprochen wurde.

Missbrauch

Leider ist auch Kindsmissbrauch ein Aspekt der Aufklärung. Die Kinder müssen wissen, dass ihre Gefühle ernst genommen werden und sie Nein sagen dürfen, wenn ihnen etwas nicht gefällt – auch und vor allem im körperlichen Bereich und auch und vor allem, wenn sie die Person kennen. Genauso wichtig ist es, dass die Kinder ohne Scheu mit ihren Eltern über solche Erlebnisse sprechen können. Wenn ihr das Thema Sexualität immer offen und altersgerecht behandelt habt, sollte das kein Problem sein.

Die Rolle der Medien

Sex in Spielfilmen, Pornos … alles andere, als adäquat für Kinder, aber allgegenwärtig, ob auf dem Schulhof mit dem Smartphone oder zuhause am Computer. Auch in Chatrooms oder Sozialen Netzwerken ist Sex ein Thema. Verhindern könnt ihr den Kontakt damit nicht, aber ihr könnt euren Kindern helfen, die Bilder einzuordnen. Sex, wie er in den Medien gezeigt wird, entspricht nicht der Realität und darf deshalb auch nicht als Vorbild missverstanden werden. Das gilt auch für Prahlereien in Chatrooms, die nicht der Wahrheit entsprechen. Ach hier gilt: ein offenes und unverkrampftes Gespräch bringt mehr, als Schweigen und Verbote.

Hilfreiche Bücher und Links

Nicht immer ist es leicht, die richtigen Worte zu finden oder ein Gespräch zu beginnen. Bücher oder der Hinweis für eine interessante Website können da goldene Brücken schlagen.

 

Bücher für Kinder

  • Holde Kreul (Hg.): „Mein erstes Aufklärungsbuch“. Loewe Verlag, 2007. (Bei Amazon)
  • Grethe Fagerström, Gunilla Hansson: „Peter, Ida und Minimum. Familie Lindström bekommt ein Baby.“ Ravensburger Buchverlag, 1979. (Bei Amazon)
  • Sanderijn van der Doef, Marian Latour: „Vom Liebhaben und Kinderkriegen.“ Annette Betz Verlag, 1998. (Bei Amazon)

Bücher für Teenager

  • Sanderijn van der Doef: „Wie ist das mit der Liebe“. Loewe Verlag, 2004. (Bei Amazon)
  • Ann-Marlene Henning, Tina Bremer-Olszewski: „Make Love: Ein Aufklärungsbuch.“ Verlag Rogner & Bernhard, 2012. (Bei Amazon)
  • Adam Larkum, Alex Frith, Wolfgang Hensel: „Das Jungenfragebuch“. Ravensburger Buchverlag, 2008. (Bei Amazon)
  • Nancy Leschnikoff, Susan Meredith, Wolfgang Hensel: „Das Mädchenfragebuch“. Ravensburger Buchverlag, 2008. (Bei Amazon)

 

Broschüren der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

 

Ratgeber für Eltern

  • Regula Lehmann: „Sexualerziehung? Familiensache! Just do it – bevor es andere tun!“ Brunnen-Verlag, 2012. (Bei Amazon)

 

Interessante Links für Teenager

 

Ratgeber zum Thema Homosexualität

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