Interview mit Lena Höfer von OKOMOi

Lena_Hoefer_OKOMOiDie zweifache Mama Lena Höfer sitzt mit ihrem Showroom nahe der schönen Isar nur einen Katzensprung von Karla Knopf entfernt. Ganz klar, dass wir im Sinne der guten Nachbarschaft ihr tolles Start-Up OKOMOi, das 100% ökologische Kindermode herstellt, die mindestens drei Größen mitwächst, vorstellen. Lest selbst, was Lena seit den ersten konkreten Gedanken zur Labelgründung 2010 bis zur ersten Kollektion 2016 alles erlebt hat.  

Viv: Liebe Lena, vielen Dank, dass wir dich heute zu den ersten Schritten deines Kindermode Labels interviewen dürfen. Hast du in der Vergangenheit bereits etwas mit Mode gemacht?

Lena: Hallo Viv, ich erzähle dir gerne über meinen bisherigen Weg mit OKOMOi. Für Mode interessiere ich mich eigentlich schon immer. Als ich als Teenager noch in Landshut wohnte, hatte ich mich bereits an der Meisterschule für Mode in München beworben und Freudentränen geweint, als ich die Aufnahmeprüfung dort bestanden habe. Da konnte ich allerdings noch nicht ahnen, dass ich die zehnte Klasse am Gymnasium nicht bestehe – und ohne Realschulreife den Platz dort nicht antreten würde…

Ich blieb in Niederbayern, wiederholte im nächsten Jahr die zehnte Klasse, und machte erst mal mein (Fach-)Abitur.

Meine anschließende Berufsausbildung zur Mediendesignerin hatte zwar nichts mehr mit Mode zu tun, ist mir als Quereinsteigerin aber oft hilfreich. So geht vieles einfach schneller und kostengünstiger. Lookbook, Flyer oder Webseite – das erledige ich einfach alles selbst.

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Viv: Wieso hast du dich gerade für Kindermode entschieden?

Lena: Mit Geburt meiner beiden Kinder bin ich regelrecht zum Flohmarkt-Junkie mutiert. Bequeme und farbenfrohe Nicki-Kleidung der Siebziger Jahre hat es mir besonders angetan. In größeren Größen wurde die Ausbeute aber leider immer geringer. Ich habe mir dann mit DIY-Tutorials und verschiedenen Büchern das Nähen beigebacht und so kam eines zum anderen…

Viv: Und was bedeutet der Name OKOMOi?

Lena: Da ich ausschließlich ökologische Mode mache, wollte ich diesen Aspekt auch klar im Namen haben. „Bio“ klingt für mich mehr nach Bananen als nach Mode 🙂

Das Wort „Öko“ war mir zu wenig international. Ich probierte ein wenig mit „Oko“ herum und kam schließlich auf „OKO-MOi“ was ich als französische Aufforderung mit „mach mich öko“ übersetzen würde. Im niederländischen bedeutet „mooi“ zudem „schön“ … und es klingt einfach niedlich.

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Viv: Wir hatten Anfang 2014 hier in NACHGEFRAGT! Bereits Ulla Lühr im Interview, die mit UlaLü ebenfalls mitwachsende Kindermode anbietet. Wieso interessiert dich dieses Konzept?

Lena:  Dass Kindermode jeden Trend der Modeindustrie mitmachen muss finde ich einfach verkehrt. Kinder bewegen sich doch wesentlich mehr als ihre Eltern und haben an ihre Kleidung deshalb auch ganz andere Ansprüche. In erster Linie sollte diese bequem sein, und beim Toben und Welt-entdecken nicht einschränken. Lieber zwei kuschelige und robuste Lieblingshosen im Schrank die Jahre lang passen, als vier trendy Röhren-Jeans, bei denen die Taschen so eng sind dass kein Fund hineinpasst und bei deren Herstellung menschenunwürdige Bedingungen die Regel sind. Ich habe in Zusammenarbeit mit einer Musterschneiderin so lange an den Mitwachs-Schnitten getüftelt, dass die Kleidung über mindestens drei Größen getragen werden kann. Meine Hoffnung ist natürlich auch, dass der Endverbraucher dadurch bereit sein wird, für eine OKOMOi Hose aus Biobaumwolle etwas mehr zu bezahlen als für eine Kurzlebige von der Stange.

Viv: Nachdem deine Idee erste Züge angenommen hatte, wie bist du weiter vorgegangen? Wie lange hat es gedauert von der ersten Idee bis zur ersten fertigen Kollektion? Wo lässt du produzieren?

Lena: Über mögliche Schnitte, Muster und Farben grübelte ich schon seit ich 2010 zum ersten Mal Mutter geworden bin. Die Idee wuchs immer weiter. Als ich vermehrt von anderen Müttern auf die selbst genähte Kleidung meiner Kinder angesprochen wurde, habe ich begonnen über einen beruflichen Neuanfang nachzudenken.

Da meine Nähkünste und -geschwindigkeit nicht zur Fertigung vieler Stücke reicht, überlegte ich mir, welche Alternativen es geben könne. Nur nach Einhaltung wichtiger Sozialkriterien produzierte, ökologische Kleidung könnte ich auch guten Gewissens an die Kids bringen. Über die Webseite von GOTS (Global Organic Textile Standard) habe ich dann einige Hersteller kontaktiert und bin auf eine tolle Firma in der Türkei gestoßen, die seit fast zehn Jahren 100% ökologische Kleidung nach fairen Bedingungen produziert. Vor Weihnachten bin ich dann spontan dort hin geflogen, um mir ein besseres Bild machen zu können. Ich habe die Samples meiner Musterschneiderin dort persönlich abgegeben, konnte mich umsehen und habe viele Mitarbeiter kennen gelernt. Das war ein tolle Erfahrung und hat sich auf jeden Fall gelohnt.

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Viv: Du arbeitest mit deinem Cousin zusammen, der die Zeichnungen für deine Stoffe fertigt. Worin siehst du die Zusammenarbeit mit jemandem den du sehr gut kennst? Wo gibt es auch mal Probleme?

Lena: Mein Cousin zeichnet bei sich zu Hause und sendet mir die eingescannten Bilder dann per Mail.
Ich finde seinen Stil klasse und lasse ihm mehr oder weniger freie Hand. Lediglich das „Thema“ gebe ich ihm vor. Ich bin jedes Mal wieder gespannt, wie er es umsetzt. Ein Problem ist bisher noch nicht aufgetreten. Wenn ich einen Illustrator beauftragen würde, hätte ich das Ergebnis sicherlich schneller, es würde mir aber nicht so am Herzen liegen und ich könnte ihn wohl eher nicht vorerst mit Kleidungsstücken entlohnen solange die Firma noch nichts abwirft…

Viv: Die erste Kollektion von OKOMOi steht für die Saison Winter 2016/2017 in den Startlöchern. Du bist gerade dabei Fachhändler auf dich aufmerksam zu machen, die ersten Teile gibt es dann auch ab August in deinem Online Shop zu kaufen. Wie läuft der erste Absatz? Besser oder schlechter als erwartet?

 Lena: Ein großer Reinfall war auf jeden Fall meine erste Modemesse. Mit zwei Freundinnen im Schlepptau sind wir höchst motiviert mit dem VW Bus meines Schwiegervaters von München quer durch Deutschland bis nach Hamburg gefahren. Die Münchner Modemesse war bereits ausgebucht gewesen und so blieb mir nichts anderes übrig als OKOMOi auf der norddeutschen Ordermesse vorzustellen. Leider waren dort sehr wenige Fachbesucher und somit hielten sich auch die Bestellungen im überschaubaren Bereich.

Wieder zurück in München startete ich eine Telefonlawine und rief in Frage kommende Händler persönlich an. Dieses „Klinken Putzen“ war sehr zeitaufwändig – beschaffte mir aber besseren Absatz als die Messe.

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Viv: Welche drei wertvollen Tipps hast du für anderen Mamis, die auch etwas eigenes Gründen möchten?

Lena: Ich habe erst gestartet als beide Kinder im Kindergarten waren. Früher würde ich es auf keinen Fall wagen. Ein Start-Up ist extrem zeitintensiv. Das eigentliche „Designen“ macht leider nur einen minimalen Teil der anfallenden Arbeit aus – das sollte man nicht unterschätzen.

Ganz alleine geht es nicht. Du brauchst auf jeden Fall die volle Unterstützung von Freunden und Familie. Auch wenn es manchmal schwer fällt, weil man nach der Elternzeit ALLES selbst machen möchte – unbedingt Hilfe annehmen!

Informiert Euch rechtzeitig über finanzielle Alternativen. Crowd Funding, Kredit oder Privatdarlehen? Wie soll Euer Start finanziert werden?

Viv: Arbeitest du Vollzeit an OKOMOi? Wie sehen die nächsten Schritte für dein Label aus?

Lena: In erster Linie bin und bleibe ich Mama. Doch sobald die Kinder im Kindergarten sind, die Oma da ist, oder mein Mann die Kinder hütet springe ich in meinen Showroom. Die Zeit, die ich für OKOMOi investiere, verrast immer sehr schnell. Gerade habe ich die Herbst/Winter-Kollektion geordert, schon will die Sommerware designt werden…

Viv: Dann wünsche ich dir erstmal viel Glück mit der ersten Kollektion und bin gespannt, wie es bei dir weitergeht! Vielen Dank für das ehrliche Interview!

 

 

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