Interview mit Birgit Gripp von GRIBBI.com

bilder karla knopf 3Gerade bei Säuglingen kann das Aus- und Anziehen von Stramplern für die frischgebackenen Eltern zu einer Herausforderung werden. Alles wirkt noch so zart und zerbrechlich. Nicht umsonst haben die Bodys meist große Ausschnitte für das Köpfchen oder sind gleich zum Wickeln. Doch noch einfacher soll es mit der Babybekleidung von GRIBBI sein, eine Idee, die Birgit Gripp selbst entwickelt und im Jahr 2013 auf den Markt gebracht hat. Wir wollten wissen, was genau es damit auf sich hat und haben Frau Gripp dazu befragt.

Viv: Was genau ist beim GRIBBI anders, als bei herkömmlichen Babybodys?

Birgit: Der Gribbi wird im Schulterbereich geöffnet und bleibt dennoch durch einen eingenähten Stoffkeil geschlossen, sodass die Weite zum einfachen Ankleiden von unten nach oben gegeben ist. Das Öffnen und Schließen des Keils erfolgt mit Druckknöpfen. Der Stoffkeil verjüngt sich am Ärmel bis hin zum Bündchen. Durch das Anziehen von unten nach oben können die Eltern beim gesamten Ankleidevorgang den Blickkontakt mit dem Säugling halten. Das Köpfchen muss nicht mehr angehoben werden und kann sicher auf der Wickelunterlage verweilen. Da beim gesamten Ankleiden die Möglichkeit besteht, die Arme durch den Gribbi zu begrenzen, ist hier das Baby auch nicht auf der Suche nach Begrenzung und das „Fliegen“ der Arme fällt weg.

Wenn der Gribbi bis auf Bauchhöhe heraufgezogen wurde, können die Arme mit in die Ärmel gleiten, ohne diese zu „verdrehen“. Nach dem Ankleiden werden die Keile wieder geschlossen. Je nach Armstärke des Säuglings besteht die Möglichkeit, die Keile im Schulterbereich zu schließen und den Ärmel geöffnet zu lassen, da der Ärmel durch den Stoffkeil insgesamt geschlossen bleibt. Wegen der erneuerten Technik sind Knöpfe im Rücken, oder auch Brustbereich nicht mehr notwendig. Druckstellen auf der Haut werden dadurch vermieden. Das doppelt gelegte Bündchen kann hier auch als „Kratzschutz“ verwendet werden.

Viv: Wie bist du auf die Idee gekommen, so ein spezielles Kleidungsstück zu entwerfen?

Birgit: Meine Idee des Gribbi wurde gemeinsam mit unserer Tochter Jule-Sofie geboren. Die Kleine musste in ihren ersten drei Lebensjahren mehrfach operiert werden und u.a. auch Kopfverbände tragen. Das regelmäßige An- und Auskleiden des Kindes war eine zusätzliche Herausforderung für uns: zu eng waren die Halsausschnitte von Pullis und T-Shirts, um sie problemlos über den Kopf zu ziehen, zu schmal die Ärmel, um sie leicht über die zarten Ärmchen streifen zu können. Aber auch bei anderen jungen Müttern und Vätern konnte ich oft beobachten, wie unsicher sie beim Ankleiden ihrer Babys waren.

Oft trauten sie sich nicht recht, das Köpfchen anzuheben, oder hatten Mühe beim Hochziehen der Ärmel. Es musste also etwas völlig neues her. Ein Kleidungsstück, das einfach an- und ausziehbar ist, das sich im Schulter- und Armbereich weiten lässt und dennoch geschlossen bleibt. Die Idee des Gribbi war aus der Taufe gehoben. Zwei Jahre Entwicklungszeit waren erforderlich, bis der perfekte Prototyp des Gribbi vor mir lag. Als mir das Patent- und Markenamt die Einzigartigkeit meiner Idee bestätigte und Gebrauchsmusterschutz gewährte, hatte ich es schwarz auf weiß: Ich habe etwas entwickelt, was es bislang nicht gab. Ein weiteres Jahr habe ich Testläufe gestartet und am 01.08.2015 bin ich in die Produktion und den Vertrieb gegangen.

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Viv: Hast du die ersten Modelle selbst genäht?

Birgit: Ja, den Prototyp habe im Keller meines Hauses an einer Haushaltsmaschine selbst genäht und meine jüngste Tochter Emma-Luise musste hierfür Modell stehen. Dann ging ich auf die Suche nach einer Schneiderin, da keiner nach meinen Vorstellungen diese Idee umsetzen konnte.

Viv: Wie lange hat es von der Idee bis zum ersten verkaufsfertigen Produkt gedauert?

Birgit: 3 Jahre, es mussten Gelder für den Vertrieb und die Produktion beantragt werden und ich wollte auf keinen Fall ein noch nicht ausgereiftes Kleidungsstück auf den Markt bringen.

Viv: Bislang haben „normale“ Babybodys und Strampler ihren Zweck ganz gut erfüllt. Wer kauft den speziellen und sicher auch teureren GRIBBI?

Birgit: Eltern, die darauf achten, dem Säugling bestmögliche Starthilfe zu geben und Wert darauf legen, das keine Druckstellen am zarten Körper entstehen, Eltern, die einen echten Wonneproppen haben, und beim Gribbi die Möglichkeit besteht, den Ärmel zu erweitern und nicht zu versuchen die Ärmchen hinein zu „quetschen“. Außerdem gibt es eine große Zahl von Kinder, die es nicht mögen, wenn eine Bekleidung über den Kopf gezogen wird. Der Gribbi wächst also auch ein Stück weit mit. Das alles gibt es auf dem Markt nicht und da ich 4-fache Mutter bin, kenne ich seit über 21 Jahre den allgemeinen Babymarkt. Der Preis ist ebenso hoch, wie vergleichbare Markenprodukte.

Viv: Den GRIBBI gibt es auch für Erwachsene. Warum?

Birgit: Der Gribbi für bewegungseingeschränkte Menschen, altersbedingt oder nach Sportverletzungen funktioniert im gleichen Prinzip. Das Ankleiden erfolgt von unten nach oben. Mit der neuen Technik ist es möglich, den Gribbi mit nur einem Arm anzuziehen und zu schließen. In Bauchhöhe gleiten die Arme wieder mit in die Ärmel, ohne die Arme anheben oder verrenken zu müssen. Hier sollte man allerdings auf die Reihenfolge des Anziehens achten, den besten Gleiteffekt erzielt man, wenn zuerst der Gribbi angezogen wird und im Anschluss das untere Kleidungsstück. Es ist also möglich, trotz Einschränkung kurzfristig, oder auch langfristig, sich ohne fremde Hilfe an- und auszukleiden. So wird die Selbständigkeit gefördert und erhalten.

Aber auch in der Pflege ist der Gribbi einsetzbar. Bei bettlägerigen Patienten wird der Gribbi von oben nach unten angezogen. Er wird zunächst über Kopf und Schulter gezogen. Nunmehr muss der Patient lediglich auf die rechte bzw. linke Seite gerollt werden und der Gribbi heruntergezogen werden. Durch die Erweiterung kann der Arm bei diesem Vorgang gleich mit hineingleiten.

Viv: Du bietest den GRIBBI für Pflegezwecke auch maßgeschneidert an. Wo lässt du deine Kleidungsstücke herstellen?

Birgit: In meiner eigenen Produktionsstätte in der Stadt Wismar /Mecklenburg-Vorpommern.

Viv: Sind die Materialien als schadstofffrei zertifiziert? Ein wichtiger Punkt sowohl bei Babys als auch in der Pflege.

Birgit: Ich achte darauf, dass die Stoffe ausschließlich aus Naturfasern bestehen, doch eine Zertifizierung haben meine Stoffe nicht. Ich beziehe diese aus Holland.

Viv: Seit 2013 bist du mit dem GRIBBI auf dem Markt. Wer sind bislang deine Hauptabnehmer?

Birgit: Auf den Markt bin ich erst am 01.08.2015 gegangen, an die Öffentlichkeit bin ich 2013 das erste Mal gegangen, um zu schauen, ob die Bekleidung tatsächlich das Potential hat, wie ich es mir vorstellte. Es ist in allen Bereichen positiv bewertet worden. Aussagen wie: „es ist so eine Erleichterung in der Pflege, warum kommt man erst jetzt auf diese Idee“ ist nur eine von vielen. Danach folgte eine einjährige Testphase in Hospizen und Pflegeeinrichtungen. Immer mit positiven Bescheid und zum Teil auch hier und da noch minimale Veränderungen. Krankenhäuser, ambulante Pflegedienste, Hospize und für den Gribbi der Babys, Kinderboutiquen usw. Nun also gehören die sogenannten „Kinderschuhe“ zur Vergangenheit und wir gehen direkt auf den Markt.

Viv: Kannst du von deinem Unternehmen leben und wie sind deine langfristigen Pläne? Der internationale Markt? Neue Produkte?

Brooklyn Bridge panorama in New York City ManhattanBirgit: Im Moment kann ich noch nicht davon leben, habe „Start up“ Hilfe erhalten und seit dem 1.8.2015 sind mein Sohn und ich im Außendienst und drei Näherinnen in der Produktion. Wir haben zur Unterstützung eine Telefonmarketingfirma hinzugezogen und die ersten großen Termine sind für Anfang September geplant. Ab 15.09.2015 geht auch der Shop online und da wir das Marketing enorm voran treiben, werden die ersten Umsätze ab Mitte September erwartet. Langfristige Pläne sind ganz Europa abzudecken. Wir arbeiten derzeit mit einer amerikanischen Firma zusammen, welche einen Stoff entwickelt haben, der auch das Wundliegen von bettlägerigen Patienten vermindern kann und bereits vorhandene Druckstellen wieder ausheilt.

Ich habe noch eine Kinderhose schützen lassen, welche sich mit einfachen Handgriffen zu einem Schlafsack umwandeln lässt. Diese werden wir zum Winter mit ins Programm nehmen. Es sind Mützen in Planung usw. Mit dieser Schließtechnik gibt es einfach so viel Möglichkeiten und die Anzahl pflegebedürftiger Kinder, als auch Erwachsener wird in den nächsten Jahren enorm anwachsen, da Kinder immer häufiger zu früh geboren werden und die Alterserwartung des Menschen immer höher wird.

Viv: Vielen Dank, Birgit, für das ausführliche Interview und viel Erfolg beim Launch deines Produktes. Wir sind gespannt, wie sich Gribbi auf dem Kindermode-Markt etabliert!

2 Kommentare zu “Interview mit Birgit Gripp von GRIBBI.com

  1. Ich finde diese Idee super gut zudem es wirklich in Pflegeheimen Menschen gibt die es gut gebrauchen könnten. Ich sprechen aus Erfahrungen weil ich selber habe in ein Pflegeheim in Wismar gearbeitet und auch für kranke Kinder die nicht mehr selbständig sich anziehen können ist es eine Erleichterung. Ich wünsche viel Glück und Erflog.

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