Serafin und seine Wundermaschine von Philippe Fix

Serafin
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Kindheit bedeutet im Erwachsenenalter vor allem Erinnerungen. Da war dieser zerrupfte Plüschhase, Omas göttlicher Butterkuchen, die Pumuckl-Kassetten und: das absolute Lieblingsbuch. Meines (und das geht vielen in meinem Alter so) war „Serafin und seine Wundermaschine“ von Philippe Fix. Meine Liebe für dieses Buch ging sogar so weit, dass ich beinahe meinen Sohn nach Serafin benannt hätte (auch damit stehe ich übrigens nicht alleine da). Für alle, die das Buch nicht kennen, hier eine kleine Erklärung.

Schon beim Anblick der Titelschrift sieht man sofort, es handelt sich um ein Buch aus den 60er Jahren, von 1967, um genau zu sein. Es geht um den gutmütigen, rotbackigen, jungen Mann Serafin, der als Fahrkartenknipser in der Untergrundbahn arbeitet. Glücklich ist er dort unten nicht. Als er eines Tages versucht, einen im Tunnel verirrten Schmetterling einzufangen um ihn zu retten, wird er gefeuert.

Zuhause vor der Tür seiner kleinen Dachwohnung wartet jeden Abend Freund Plum. Er trägt immer einen blaugeringelten Pullover, in dem neben Hamster Herkules auch noch ein halber Gemischtwarenladen Platz findet. Serafin und Plum lieben es, durch Flohmärkte zu streifen und allerlei Krimskrams zu kaufen, aus dem der Bastler Serafin die tollsten Dinge baut.

Eines Tages erbt Serafin eine Burgruine und zusammen machen sich die beiden Freunde daran, das Gemäuer ganz neu zu erbauen. Nach sehr viel Arbeit steht es da, ein Schloss wie aus einem Kindertraum, mit vielen Türmchen und einer riesigen Glaskugel als Aussichtsplatz. Im Inneren sitzt Serafin an einer gigantischen, selbst gebauten Musikmaschine und die Gestalten der vielen Märchen- und Kinderbücher in der Bibliothek werden für einen Moment lebendig.

wundermaschine

Alles ist gut. Bis die Bagger kommen und rund um die Burg eine Hochhaussiedlung gebaut wird. Serafins Traumhaus steht in der Mitte des Baugrundstücks und soll abgerissen werden. Die beiden Freunde müssen sich fügen, aber nicht ohne einen letzten großen Coup zu landen. Am Ende können sie mit Hilfe von vier Treppenstufen lachend in den Himmel fliehen.

Das Buch war damals eines der beliebtesten illustrierten Kinderbücher überhaupt. Während die Erwachsenen darüber stritten, ob die Geschichte ein Angriff auf Moderne und Industrialisierung sei, sahen wir Kinder uns einfach nur immer wieder diese wunderbaren, fast poetischen Bilder an. Die Glaskugel hatte es uns ganz besonders angetan. Auch Plum in seinem komischen Schlauchpullover hatte etwas Magisches. Am allertollsten war aber diese Treppe in den Himmel. Und dass Serafin, Plum und Hamster Herkules diesen phantasielosen Baulöwen eins auswischen konnten. Insofern ist das Buch heute hochaktuell …

„Serafin und seine Wundermaschine“ wurde im Jahr 2006 vom Diogenes-Verlag neu aufgelegt. Als das Buch plötzlich wieder in den Läden lag, waren ständig Stimmen zu hören wie: „Oh, das war immer mein Lieblingsbuch! Leider ist es verschollen. Wie schön, dass es das wieder gibt!“. Ich habe mein Exemplar von 1970 noch und, was soll ich sagen, es ist eines der Lieblingsbücher meines Sohnes geworden.

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