Kästner-Klassiker: Von Emil bis Lottchen

Kästner
Erich Kästner (by Paulae/CC-Lizenz via Wikipedia)

Erich Kästner! Irgendwie haben wir alle schon mal von Kästner gehört, das ein oder andere Buch zur Hand genommen und möglicherweise auch komplett gelesen, denn er und seine Bücher gehören halt einfach zur Riege der großen deutschen Kinder- und Jugendliteratur, sind Klassiker.

Wenn man sich allerdings mal ein wenig genauer umhört, dann ist eben das der Grund, warum sich heute so wirklich niemand mehr für ihn und seine Bücher zu interessieren scheint. Man kennt ihn, weiß Bescheid, die eigenen Eltern haben ihn gelesen und der damals schon alte Deutschlehrer sogar Gedichte von ihm mitgebracht, man kann sich also getrost anderen Autoren zuwenden, wenn’s darum geht, den eigenen Kids Literatur ans Bett zu legen.

Höchste Zeit also, mal ein wenig vom Menschen Erich und seinen Büchern zu schreiben. Erich, der mit erstem Vornamen eigentlich Emil hieß, wurde 1899 in Dresden geboren und wuchs dort recht bescheiden auf. Als er flügge wurde, versuchte er sich zuerst am Lehrerberuf, schmiss das Studium jedoch schnell, um dann wegen des ersten Weltkriegs zur Ausbildung eingezogen zu werden – was ihn später zu einem der lautesten Antimilitaristen der Republik machte. Nach Kriegsende wagte er sich erneut an die Uni, um so ziemlich alles zu studieren, was die Geisteswissenschaften zu bieten hatten, während er sich mit Schreibaufträgen über Wasser hielt. Das brachte ihm dann auch einen Doktorgrad und diverse Jobs bei Zeitungen und Magazinen in Berlin ein. Auf Vorschlag einer Bekannten begann er in der Metropole der Weimarer Republik dann auch, Kinderbücher zu schreiben. Und was für welche! 2 Beispiele:

Kinderbuchdebut: Emil und die Detektive

EmilDer erste Schreibversuch im Kinderbuchbereich wurde für Kästner 1929 zum sofortigen Erfolg. Die Geschichte von Emil und seinen Detektivfreunden wurde umgehend zum Verkaufsschlager. Das hatte vor allem damit zu tun, dass Kästner es als einer der ersten Schriftsteller im deutschsprachigen Raum wagte, Bücher für Kinder zu schreiben, die nichts Märchenhaftes an sich hatten und auch nicht dem Zweck dienten, zu moralisieren und zu erziehen, sondern zu unterhalten und zu bewegen.

So ist die Geschichte von Emil ganz bewusst in der Gegenwart Kästners angelegt: Dem kleinen Emil wird auf dem Weg nach Berlin, wo er sich um seine Oma kümmern soll, von einem Mitreisenden all sein Geld gestohlen. So kommt er etwas verloren in der Hauptstadt an, schließt aber umgehend Freundschaft mit dem etwa gleichaltrigen Gustav, der seine Freunde zusammentrommelt, um sich gemeinsam mit Emil auf die Suche nach seinem Geld zu machen. Ein großes Abenteuer entfaltet sich, an deren Ende die Kinder als kleine Helden dastehen. Emil und die Detektive ist eine große Ode an die Freundschaft, das Wagnis und den zupackenden Charakter der Berliner, klar informiert von Kästners eigener Lebenswelt und schlichtweg ein großer Wurf der Unterhaltungsliteratur für Kinder. Natürlich mögen einige Elemente der Geschichte heute ein wenig befremdlich oder altmodisch wirken, aber das nimmt ihr wenig, macht sie vielmehr zu einem lehrreichen Stück über das Berlin der 1920er Jahre.

Der große Nachkriegsroman – Das doppelte Lottchen

LottchenWährend der Zeit des Nationalsozialismus werden Kästners Bücher zwar verbrannt und indiziert, doch bleibt der Schriftsteller im Land und schreibt unter einem Pseudonym recht erfolgreich weiter, allerdings vor allem für Theater und Film. Im selben Jahr wie die Konferenz der Tiere kommt Kästners letztes ganz großes Kinderbuch, Das Doppelte Lottchen, auf den Markt. Aus heutiger Sicht mag es sich dabei um Kästners progressivsten Roman handeln, der damals für extrem pikant und eigentlich ungeeignet für Kinder gehalten wurde. Im Zentrum stehen Luise aus Wien und Lotte aus München, die sich in einem Kinderferienheim in den Alpen kennenlernen, nur um festzustellen, dass sie eigentlich Zwillingsschwestern sind. Dieser eigenartige Zufall bringt aber gleichzeitig den damaligen Skandal mit auf den Plan: Die Eltern der beiden hatten sich scheiden lassen – undenkbar zur damaligen Zeit – und jeder eine der beiden Schwestern mit sich genommen. Zudem noch: Die Mutter ist alleinstehend, alleinerziehend und arbeitet! Was heute selbstverständlich ist, beschäftigte damals Feuilleton und Pädagogen gleichermaßen – und zwar für Wochen. Dass das Buch dann jedoch nicht aus allen Buchhandlungen und Schulstunden verbannt wurde, hatte wohl vor allem damit zu tun, dass Kästner es nach einigen Streichen der beiden Lottchens mit einer Wiedervereinigung der Familie enden ließ. Das mag heute zwar verklärt-romantisch wirken, nimmt aber dem eigentlichen Thema des Buchs wenig.

Kästner-VerfilmungenTiere

 Kästners Romane wurden natürlich vielfach verfilmt und auf die Bühne gebracht, so oft gar, dass eine Auflistung beinahe endlos wäre. Da wir aber Fans alter Filme sind, hier zumindest ein paar Empfehlungen für Frühfassungen:

Direkt nachdem Emil und die Detektive fertiggestellt wurde, gab es Planungen für einen Film (bei Amazon). Der heute legendäre Billy Wilder verfasste ein Manuskript für ein Drehbuch, das Gerhard Lamprecht 1931 zu einem großen Meisterwerk des deutschen S/W-Unterhaltungsfilms machte.

Mit Curt Lindas Illustration der Konferenz der Tiere kam der erste abendfüllende Zeichentrickfilm 1969 in die Kinos. Daher: für 11,99 Euro unbedingt sehenswert!

Das Doppelte Lottchen kam bereits 1950 durch Joseph von Báky auf die Rolle und ist ebenfalls für 11,99 Euro bei Amazon zu haben.

 

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