Die Augsburger Puppenkiste

Puppenk Auch in den sich rasant ändernden Zeiten gibt es ein paar Konstanten, die einfach schon immer so waren, wie sie heute noch sind und hoffentlich noch lange bleiben werden. Eine davon ist die sagenhafte Augsburger Puppenkiste, ein kleines Marionettentheater. Sie hat den Zweiten Weltkrieg überstanden und – was fast noch schwere wiegt – hat sich bis heute gegen die Übermacht der digitalen Medien durchgesetzt. Ein echtes Phänomen! Und noch dazu ein wirklich bezauberndes …

Die Geschichte beginnt im Jahr 1940, als Walter Oehmichen in Frankreich als Soldat kämpft. In der Schule, in der und seine Kameraden untergebracht sind, findet er ein kleines Puppentheater. Mit viel Spaß unterhält er damit die anderen Männer und so ist schnell die Idee geboren, immer und überall mit so einem tragbaren Theater Freude verbreiten zu wollen.

Puppenkiste
Blechbüchsenarmee

Drei Jahre später ist Oehmichen zurück in Augsburg und setzt seine Idee sofort in die Tat um. Mit seiner Frau und den beiden Töchtern baut er sein erstes, mobiles Puppentheater, das jedoch ein knappes Jahr später in einer Bombennacht verbrennt. Kaum ist der Krieg vorbei, baut Oehmichen ein neues, größeres Puppentheater im ehemaligen Heilig-Geist-Spital in Augsburg und lädt am 26. Februar 1948 zur feierlichen Premiere. Das erste Stück der Augsburger Puppenkiste, wie das Theater nun heißt, ist das Märchen „Der gestiefelte Kater“.

Gemeinsam mit dem jungen Schauspieler und späteren Hausautor Manfred Jenning und einem stetig wachsenden Team aus Puppenschnitzern und –spielern werden zahlreiche Märchen und Geschichten auf der Bühne zum Leben erweckt. Zu den bis heute beliebtesten Figuren gehören sicherlich Monty Spinneratz, Jim Knopf und Lukas, das Urmel sowie Bill Bo und das Sams.

Bereits wenige Jahre später, am 21. Januar 1953, wird die Augsbuger Puppenkiste schlagartig bekannt, als ihre Inszenierung von „Peter und der Wolf“ im Fernsehen übertragen wird, damals noch wegen fehlender Aufzeichnungstechnik live. Seither ist die Augsburger Puppenkiste Stammgast im TV, vor einigen Jahren z.B. mit „Lilalu im Schepperland“ oder dem Kinder-Wissensprojekt „Ralphi“. 1997 sind die Marionetten sogar auf der ganz großen Leinwand zu sehen. Das Stück „Die Story von Monty Spinneratz“ lockt 900.000 Besucher in die Kinos und erhält den Bayerischen Filmpreis als bester Kinderfilm.

schlupp
Schlupp vom grünen Stern

Auch Tourneen macht die Puppenkiste, etwa mit dem Dauerbrenner „Urmels große Reise“, aber auch mit pädagogischen Stücken, wie „Paula und die Kistenkobolde“, das sich speziell an Kindergartenkinder richtet.

Heute gehört die Augsburger Puppenkiste längst zum deutschen Kulturgut. Was mal als Ein-Mann-Show begann, ist zwar immer noch ein Familienunternehmen, allerdings in einer etwas größeren Dimension. Zum festen Ensemble gehören 20 Puppenspieler, hinzu kommen hauseigene Werkstätten für die Puppenschnitzer, Kostümschneider, Bühnenbauer und Komponisten.

Seit dem Jahr 2001 gibt es auch ein eigenes Museum: „Die Kiste“. Es ist ebenfalls im Heilig-Geist-Spital untergebracht und eröffnet auf 570 Quadratmetern einen Blick hinter die Kulissen des Marionettentheaters. Die geliebten Figuren Kater Mikesch, Jim Knopf, Urmel und viele andere sind hier aus nächster Nähe zu bewundern. Dazu kommen regelmäßig Sonderausstellungen. Aktuell heißt das Thema „Puppen, Tiere, Sensationen“ und widmet sich der erstaunlichen Akrobatik der Marionetten. Mit mehr als 850.000 Besuchern im Jahr ist Die Kiste das erfolgreichste und beliebteste Puppenmuseum Europas und auf jeden Fall einen Abstecher wert.

Der Eintritt in das Museum kostet für Erwachsene 4,50€, Kinder bis 12 Jahre zahlen 2,90€ (bei einem zusätzlichen Theaterbesuch 3,50 und 2,40€). Geöffnet ist Die Kiste täglich außer Montags von 10 bis 19:00 Uhr. Das Café und das Restaurant haben von 11:30 Uhr bis Mitternacht geöffnet.

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