51,3

51,3Unsere neue Zahl in der Rubrik 1-2-3 Kids haben wir aus den Weiten des Statistischen Bundesamte gefischt. Uns hat nämlich interessiert: Werden eigentlich mehr Mädchen oder mehr Jungen in Deutschland geboren? Und heißt das dann, das in Deutschland mehr Männer als Frauen leben? Die Antwort ist: Ja und Nein.

Zunächst zur ersten Frage: 51,3 Prozent aller Menschen unter 19 Jahren sind männlich. Auf 100 neugeborene Mädchen kommen so zwischen 105 und 106 neugeborene Jungen. Es ist nämlich tatsächlich so, dass in Deutschland die Chance minimal größer ist, dass ein Junge auf die Welt kommt als ein Mädchen. Die Frage ist natürlich: Warum? Sollte das nicht genau gleich verteilt sein nach allen Gesetzen der Biologie und der Mathematik?

Mehr Jungs als Mädchen in Deutschland

Die Antwort der Wissenschaft ist gar nicht so verblüffend, einerseits: Denn viele unterschiedliche Faktoren beeinflussen, ob mehr Mädchen oder Jungen geboren werden. Andererseits ist es wissenschaftlich sehr schwierig herauszufinden, an was es genau liegt. Tageslänge und Temperatur ist beispielsweise so ein Faktor, wie die US-Wissenschaftlerin Kristen Navara versucht hat zu belegen. So nimmt ihren Untersuchten zufolge die Anzahl der männlichen Kinder weltweit mit Höhe der Breitengrade zu. In Europa und in Asien werden so mehr männliche Kinder geboren als in Afrika oder in den Tropen. Der italienische Wissenschaftler Angelo Cagnacci hat herausgefunden, dass es auch statistisch belegbare jahreszeitliche Unterschiede gibt: Die Chancen für die Geburt eine Mädchens sind seinen Untersuchungen nach am besten bei einer Empfängnis in den Monaten März bis Mai, im Herbst sind es wieder mehr Jungen.

Wissenschaftler bieten verschiedene Erklärungen

Auch das Wohlbefinden der Mutter spielt eine große Rolle. Frauen mit geringerem Gewicht bekommen tatsächlich mehr Mädchen als Jungen, wobei der Grund weniger am Gewicht als an einem bestimmten Hormonspiegel liegt, der entscheidet ob sich ein weiblicher oder ein männlicher Embryo dann in die Gebärmutter einnistet. Insgesamt scheint es so, wie verschiedene Studien zeigen, dass die Körper schwangerer Frauen in Stressphasen eher männliche als weibliche Embryonen abstoßen. In Deutschland zum Beispiel kamen nach dem Zusammenbruch der DDR in Ostdeutschland einige Hundert Jungen weniger auf die Welt als üblich – warum, lässt sich aber nie eindeutig klären. Auch ist das männliche Y-Chromosom anfälliger für Schadstoffe als das weibliche X-Chromosom, denn männliche Embryonen teilen sich schneller und haben eine höhere Stoffwechselrate als weibliche Embryonen. Allerdings gehen schnelle Zellteilungen oft mit einer höheren Fehlerquote einher.

Wenn in Deutschland ganz leicht mehr Jungen als Mädchen geboren werden, warum gibt es dann insgesamt mehr Frauen als Männer in Deutschland? 2010 waren von den 81,75 Millionen Einwohnern in Deutschland 50,9 Prozent weiblich und 49,1 Prozent männlich. Die Lösung ist im Grunde ganz einfach: Frauen haben eine höhere Lebenserwartung als Männer. Je höher das Alter, umso mehr dreht sich das Geschlechterverhältnis zugunsten der Frauen, der Kipppunkt liegt irgendwo zwischen den Jahren 50 und 59. Bei den Über-80jährigen sind es schon mehr als 60 Prozent Frauen, bei den Über-85jährigen mehr als 70 Prozent.

1 Kommentar zu “51,3

  1. >So nimmt ihren Untersuchten zufolge die Anzahl der männlichen Kinder weltweit mit Höhe der Breitengrade zu.Tageslänge und Temperatur ist beispielsweise so ein Faktor, wie die US-Wissenschaftlerin Kristen Navara versucht hat zu belegen<

    Beim Versuch ist es wohl geblieben.

    Navara hat sich dabei anscheinend über die ortsüblichen Temperaturen Gedanken gemacht, aber nicht über die Temp. denen Männer generell ausgesetzt sind.

    Wie wir alle wissen, mögen es die Spermien ca. 1-2 Grad unter der Körperkerntemperatur. Deshalb liegen die Drüsen außerhalb des Körpers.

    Nun ist es aber unbestreitbar auch so, dass gefährliche Tätigkeiten, wie z. B. die Arbeit an Hochöfen, bei Feuerwehren noch immer überwiegend von Männern verrichtet wird. Trotz Schutzkleidung kann das zu warm sein. Auch rein sitzende Tätigkeiten könnten ähnlich betroffen sein. Vorallem, welche Auswirkungen das hat. Aber untersucht hat das bisher noch niemand.

    Nur eine Frau Navara, die sich Sorgen über die Zonentemperatur macht. Lächerlich.

    Wenn das nun daran hängt, welcher Wärme die Spermien bzw. Drüsen ausgesetzt sind, frage ich mich, ob das eine kluge Idee ist, männliche Neugeborene in eine Plastikwindel zu stecken.

    Dann fällt mir zur Demographie in der BRD noch folgendes ein:

    Die BRD wurde mit Grundgesetz 1949 neu gegründet. Bis 1945 tobte der 2. Weltkrieg, der etlichen Millionen Menschen (nur unter dem dt. Volk) das Leben gekostet hat. Und jetzt der Clou: darunter vor allem Männer.

    Es hat 60 Jahre und viele Einwanderer gebraucht, um diese Lücke wieder annähernd zu schließen trotz aller Widrigkeiten, wie ich sie oben erwähnte.

    Ich könnte dazu noch viel mehr schreiben, aber ich belasse es zunächst einmal damit.

    Gruß
    Navvie

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