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Sprechen
Ob mit der Puppe oder mit Mama reden – um das 2. Lebensjahr gibt`s eine Riesensprachexplosion bei Kindern.

Es gibt Ereignisse im Leben, von denen kann man erzählen, obwohl man sich selbst überhaupt nicht daran erinnert. Die Geburt ist einer dieser Klassiker. Auch wann und wie genau man das erste Mal einen Schritt gemacht hat. Und: Was das erste eigene Wort war. Vor allem aber: Wie alt man war, als man’s gesagt hat. Zumindest geht es mir so. Euch doch vermutlich auch, oder?

1, 2, Sprachexplosion

Für junge Eltern gibt es deshalb um den ersten Geburtstag ihrer Kids herum jede Menge Spannung. Das erste halbe Jahr mit Schreien, Weinen und Herumliegen ist für die meisten Eltern bereits vergessen und sie haben riesige Freude daran, zu beobachten, wie aus Krabbelversuchen erste Hochzieh- und dann Gehversuche werden, wie ein gelalltes „hm-a“ langsam zu einem „Mama“, „Oma“ oder aber auch „Hunger“ wird oder werden könnte. Studien haben gezeigt, dass euren Kindern in der Regel das erste Wort über den Mund kommt, noch bevor sie eins werden. Und das, obwohl viele Kinder erst im Alter von 9 bis 10 Monaten begreifen, dass man sprechend kommunizieren kann. Nach dem ersten Wort geht’s dann oft recht langsam voran.

10 Worte im Alter von 16 Monaten sind laut Statistik normal. Doch dann passiert etwas, das selbst von den Fachleuten noch nicht so ganz erklärt werden kann: Es kommt zu einem wirklichen Feuerwerk in der Sprachentwicklung. Auf einmal beginnen eure Kids nämlich in dem Alter Tag für Tag mehrere Wörter zu lernen und können noch vor Ende des 2. Lebensjahrs 200 Wörter – deshalb unsere faszinierende Zahl des Tages. Dann geht’s rapide weiter und bis zum Beginn der Schulzeit beherrschen eure Kleinen in der Regel mehrere Tausend Wörter, denn ab einem Alter von 3 Jahren können Kinder sogar bis zu 6 Wörter täglich hinzulernen.

Sprechen lernen – Wie funktioniert’s? Wie klappt’s?

Wie Kinder sprechen lernen, ist eine Wissenschaft für sich, die ziemlich viel mit ziemlich komplexer Theorie und knochentrockener Logik zu tun hat, die ich euch hier ersparen mag. Was ich aber sagen mag: Die Sprachentwicklung eurer Kids hängt natürlich auch ganz stark von ihrem Umfeld und damit vor allem auch von euch ab! Damit sie im Alter von zwei Jahren auch tatsächlich schon Zweiwortsätze oder – wenn sie verdammt gut sind – Dreiwortsätze hinbekommen und Fragen stellen können, solltet ihr möglichst viel mit ihnen sprechen, ihnen vorlesen, mit ihnen die Welt erkunden, sie kommunikativen Situationen aussetzen und fordern. Aber nicht überfordern! Kinder im Alter von nicht mal zwei Jahren verstehen zwar deutlich mehr als sie sagen können, aber wenn ihr nun beginnt von Lebewesen zu sprechen, wenn ihr einen Hund seht, der eine Katze jagt, dann könnt ihr davon ausgehen, dass das nur verwirrt. Oberbegriffe zu lernen braucht bei Kids seine Zeit und klappt meist erst im Laufe der Kindergartenzeit wirklich, wenn sie auch lernen, zusammenhängen erzählen zu können.

Die Sache mit den Statistiken

Bereits wenn’s mit dem zweiten Wort ein wenig länger dauert, weicht die Euphorie bei vielen Eltern oft der Sorge. Warum kommen denn keine neuen Wörter hinzu? Wieso dauert’s so lange? Machen wir was falsch? Falls ihr gerade in der Situation seid oder sie euch noch bevorsteht: Seid erstmal unbesorgt. All diese Zahlen und Daten, mit denen ich euch hier versorge, beruhen auf Statistiken. Und da jeder Mensch verschieden ist, sagen diese Statistiken weniger aus, als man meinen mag. Erst falls euer Kind bis zum zweiten Lebensjahr noch keine 50 Wörter kann, fällt es in die Gruppe der etwa 6% der Kinder mit Sprachschwierigkeiten. Die Hälfte der Kids zählt jedoch zu den sogenannten Late Bloomers (Spätzünder), die bis dann bis zum dritten Lebensjahr alles aufholen. Lediglich die andere Hälfte zählt zu den sogenannten Late Talkers. Dabei ist aber übrigens der passive Wortschatz, also die Fähigkeit, Wörter zu verstehen, wenn sie auch nicht selbst gesprochen werden können, deutlich größer. Also: Tendenziell habt ihr keinen Grund euch Sorgen zu machen, sollte euer Nachwuchs nicht ganz den Statistiken entsprechen oder ihnen ein wenig hinterherhinken. Bevor ihr euch aber zu große Sorgen macht: einfach den Kinderarzt fragen, der kann meist Infos und Tipps geben und die Sache ganz gut einschätzen.

Falls ihr nun noch Lust auf ein paar Grafiken und Statistiken habt, dann schaut doch mal auf dieser Seite vom Pädagogik-Institut Bayern vorbei!

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