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Unsere heutige Zahl ist besorgniserregend bis schockierend. 20% der 15jährigen in Deutschland sind Analphabeten, das ergab eine Analyse des Rates für deutsche Rechtschreibung. Jeder Fünfte ist demnach der Grundregeln des Lesens und Schreibens nicht mächtig, ein „Skandal“, wie die Geschäftsführerin des Rates, Kerstin Güthert feststellt. Wie kann das sein in einem hochentwickelten Land und einer gebildeten Gesellschaft wie der Unseren?

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Stundenlang in Büchläden schmökern – für viele Deutsche nicht denkbar

Unter Analphabetismus versteht man Defizite beim Lesen und Schreiben bis hin zum völligen Unvermögen. Viele Betroffene können zwar Buchstaben erkennen und auch einzelne Wörter schreiben sowie lesen, aber ganze Texte zu erfassen und auch zu verstehen ist für sie extrem mühsam bis unmöglich. Sie können also nicht lesen und schreiben, wie es im sozialen Kontext selbstverständlich wäre und erwartet wird. Diese Form nennt man funktionalen Analphabetismus und um die handelt es sich hier am häufigsten.

Ursachen dafür gibt es mehrere. Eine ist sicherlich die Art und Weise, wie Jungs und Mädchen das Lesen in den Schulen beigebracht wird. Laut Experten herrsche hier dringend Reformbedarf, weil den Kindern in ihren Schulbüchern noch immer komplexe Rechtschreibregeln vorgesetzt werden, ohne diese altersgerecht und verständlich aufzubereiten. Weniger ambitionierte oder geförderte Kinder haben damit große Probleme und klinken sich einfach aus.

Ein anderer Grund kann sein, dass Kinder aufgrund von Krankheit oder sozialen Problemen im ersten Schuljahr so häufig fehlen, dass sie die wichtigen Grundlagen des Lesens und Schreibens schlicht verpassen und auch nicht mehr richtig aufholen. Sie schummeln sich mit rudimentärem Wissen einfach weiter durch. Viele fühlen sich deshalb dumm und unfähig, was ihnen so peinlich ist, dass sie auch später nicht mehr um Hilfe bitten wollen.

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Das A&O: Kinder von Beginn an Vorlesen und ihnen die Freude an Geschichten und Sprache vermitteln

Die wohl relevanteste Ursache ist die mangelnde Förderung im Elternhaus. Vor allem in bildungsfernen Schichten spielen Bücher oft keine große Rolle. Das Vorlesen schon im Kleinkindalter findet nicht statt und auch als Schüler werden die Kids nicht ausreichend unterstützt. Das hat weniger mit fehlendem Willen zu tun als vielmehr mit Unvermögen.

Dabei ist gerade der Kontakt mit Büchern bereits für Kleinkinder enorm hilfreich für ihre weitere Entwicklung. Je spielerischer sich der Umgang mit Büchern gestaltet, desto besser, wie ihr in unserem Artikel „Wie Vorlesen Kindern fördert“ ja schon erfahren habt. Auch gibt es inzwischen zahlreiche wirklich gute Kinderbücher, die zum Buchstabenlernen und Lesen anregen, indem sie sich einfach die Neugier der Kinder zunutze machen. Kinder wollen lernen. Selbst altersgerechte Computerspiele oder wundervolle Filme wie „Leon und die magischen Worte“ animieren die Zwerge auf unangestrengte Weise, Lesen können zu wollen.

20% jugendliche Analphabeten sind 20% zu viel in einem Industrieland der Dichter und Denker. Bessere Schulbücher wären ein sehr guter Start und vielleicht gibt es ja die Möglichkeit, weniger privilegierte Kinder stärker zu unterstützen, auch in ganz kleinem Rahmen. Ihr könntet vielleicht mal ein Buch mit zum Spielplatz nehmen? Oder bei einem Kindergeburtstag eine spannende Geschichte vorlesen? Ein Versuch ist es auf jeden Fall wert!

Lesen-lernenMein Extra-Tipp: Die Webseite „Mein Schlüssel zur Welt“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung ist eine sehr gute erste Anlaufstelle für das Thema Analphabetismus. Hier bekommt man nicht nur Hilfe über das ALFA-Telefon, sondern erfährt viel über Lernangebote, Erfolgsgeschichten und ersten Schritte in die Welt des Lesens. Alle Seiten können mit einem Klick vorgelesen werden.

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